Zwei linke Stiefel….
- Mai 1, 2026

Heute war ich im Baummuseum – einem Ort voller Ruhe, Kraft und leiser Geschichten. Zwischen uralten Bäumen, die hier ein neues Zuhause gefunden haben, stand ich plötzlich vor zwei riesigen Gummistiefeln des Künstlers Lilian Bourgeat. Und ich musste lächeln. Denn auf einmal fühlte ich mich klein. Wirklich klein. Fast wie ein Kind in einer Welt, die für Erwachsene gebaut wurde. Ich schaute nach oben, staunte – und fragte mich unweigerlich: Wo ist wohl der Gärtner, dem diese Stiefel gehören?
Dieses Kunstwerk hat etwas in mir bewegt. Ein Gegenstand, den man sonst kaum beachtet, wurde plötzlich gross, sichtbar und wichtig. Ein einfacher Arbeitsstiefel wurde zu einem Zeichen für Kraft, für Einsatz, für all die Menschen, die jeden Tag anpacken – und deren Arbeit oft still im Hintergrund geschieht. Dann fiel mir noch etwas auf:
Es ist gar kein Paar. Es sind zwei linke Stiefel.
Zuerst suchte ich nach einer Erklärung. Warum zwei linke? Warum unvollständig? Warum etwas zeigen, das auf den ersten Blick nicht brauchbar scheint?
Vielleicht liegt genau darin die Botschaft. Was anders ist, was nicht passt, was vielleicht sogar als Fehler gelten würde, bekommt hier Raum. Es wird nicht versteckt, sondern sichtbar gemacht. Und plötzlich entsteht daraus etwas Neues.
Wie oft glauben wir im Leben, alles müsse stimmen: perfekt, vollständig, richtig. Und wie schnell zweifeln wir an uns, wenn etwas nicht dem Bild entspricht, das wir im Kopf haben. Vielleicht erzählen diese zwei linken Stiefel etwas sehr Menschliches:
Dass nicht alles perfekt sein muss, um wertvoll zu sein. Dass auch Unfertiges seinen Platz haben darf. Dass Umwege trotzdem Wege sind. Dass Brüche nicht nur Verlust bedeuten, sondern Geschichte. Und dass gerade das Ungewöhnliche unseren Blick weiten kann.
Vielleicht tragen wir alle manchmal „zwei linke Stiefel“ durchs Leben: Entscheidungen, Eigenheiten, Narben, Unsicherheiten oder Seiten an uns, die wir lieber verbergen würden. Doch vielleicht sind es genau diese Stellen, die uns Tiefe geben. Die uns menschlich machen. Die uns erinnern, dass Leben nicht aus Perfektion besteht, sondern aus Erfahrung. Auch das Baummuseum selbst erzählt davon. Gerettete Bäume, die andernorts gefällt worden wären. Ein Ort, der zeigt: Wert beginnt manchmal dort, wo jemand noch einmal hinschaut.
Und gerade überlege ich mir: Was würden dir diese Stiefel erzählen?
Wa(h)re Gesundheit? Welche Verbindung zu deiner Natur lebst Du JETZT?


