Alles was du liest, was du hörst ist wahr – oder nicht?

Was passiert, wenn du das Bild betrachtest? Was siehst du, denkst du?

 

Wir sehen die Zeichen im Stein – und sofort beginnt unser Kopf, sie zu deuten. Vielleicht erkennen wir eine Figur, ein Gesicht, ein Symbol. Vielleicht entsteht in uns sogar eine Geschichte dazu. Aber was wissen wir tatsächlich?

 

Wir sehen, was vor uns liegt. Doch wir kennen nicht unbedingt den Zusammenhang, in dem es entstanden ist. Ganz ähnlich kann es mit einem Medienbericht sein. Ein Artikel berichtet zum Beispiel über einen Streitfall, Expertinnen und Experten ordnen ein, vielleicht gibt es Bilder, Aussagen und Hintergrundinformationen. Alles wirkt schlüssig – und schon entsteht in uns ein Bild davon, was geschehen ist und wer recht hat.

Doch kennen wir wirklich alle Details? Waren wir dabei? Wissen wir, was davor und danach geschehen ist? Oder sehen wir auch hier nur einen Ausschnitt – sorgfältig ausgewählt und aus einer bestimmten Perspektive erzählt?

 

Gerade habe ich wieder so einen Zeitungsartikel gelesen. Und es wurde mir bewusst, dass ganz besonders im Umgang mit den Informationen dieser Zeit Unterscheidungskraft und Eigenverantwortung noch zentraler werden. Ich musste dabei an dieses Bild denken. Was meine Augen sehen, ist wahr. Was ich lese, ist wahr. Was erzählt wird ist wahr? Ist es das?

 

Oder lese und höre ich vielleicht immer nur einen Teil der Wirklichkeit. Öffentliche Medien können unsere Wahrnehmung beeinflussen und manchmal auch Angst, Empörung oder Abwertung verstärken. Deshalb scheint es mir gerade heute wichtiger den je, nicht alles ungeprüft zu übernehmen – aber auch nicht alles grundsätzlich abzulehnen.

 

Vielleicht geht es vielmehr darum, wach und offen zu bleiben: Informationen zu prüfen, die eigene Wahrnehmung ernst zu nehmen und gleichzeitig Raum für das zu lassen, was wir nicht wissen. Und vielleicht dürfen wir genau diese Haltung auch in unserem persönlichen Leben üben: weniger schnell urteilen, weniger schnell einen Menschen auf eine Geschichte festlegen und uns immer wieder fragen:

 

  • Was weiss ich wirklich – und was ist die Geschichte, die ich daraus gemacht habe?
  • Wo in meinem Leben glaube ich gerade zu wissen, wie etwas oder jemand ist – obwohl ich vielleicht nur einen kleinen Ausschnitt kenne?

 

Ich wünsche dir immer wieder den Mut, genauer hinzuschauen – und gleichzeitig das Herz, offen zu lassen für das, was du noch nicht sehen kannst.

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