Die Kunst, das Jahr anders zu sehen

Ein weiteres Jahr voller Leben, Erfahrungen, Begegnungen und Geschichten findet seinen Abschluss. Kaum ist der letztjährige Jahresbeginn verklungen, steht schon wieder ein neuer vor der Tür. Wie schnell die Zeit sich bewegt – und doch trägt jeder Jahreswechsel etwas Besonderes in sich: Er erinnert uns sowohl an Vergänglichkeit als auch an Neubeginn.

Ich erinnere mich gut an den Moment, in dem das beschwingte «Hurra, ein neues Jahr!» sich verändert hat. Wann genau daraus ein nachdenkliches «Schon wieder?» wurde, weiss ich nicht mehr. Vielleicht hast du diesen Moment ebenfalls erlebt. Für mich zeigt sich Vergänglichkeit im Rückblick, im Staunen darüber, wie rasch Zeit vergeht, und in der leisen Frage, was noch gelebt, entdeckt und erfahren werden möchte. Während ich darüber nachdenke, wird mir bewusst: Alter ist kein Zustand, den man erreicht, sondern ein Bewusstseinsraum, der sich öffnet – für mich genauso wie für dich.

 

In diesem Bewusstseinsraum begegnet mir auch immer wieder das grosse «Anti» unserer Zeit. Anti-Aging. Anti-Falten. Anti-Veränderung. Manchmal frage ich mich, wogegen wir da eigentlich ankämpfen. Geht es wirklich darum, die Zeit aufzuhalten? Oder geht es vielmehr darum, unsere inneren Bilder von Zeit, Alter und Entwicklung zu erneuern – ihnen neue Farben zu geben, mehr Weite, mehr Wahrhaftigkeit?

 

Ja, Körper verändern sich. Prioritäten ebenso. Vielleicht spürst du, dass das, was sich früher nach Lebendigkeit angefühlt hat – das Laute, das Viele, das Immer-mehr – leiser wird. Nicht, weil das Leben ärmer würde, sondern weil sich etwas verschiebt. Weil Lebendigkeit eine andere Qualität bekommt: weniger Reiz, mehr Resonanz; weniger Konsum, mehr Verbundenheit. Und vielleicht wächst genau daraus ein tieferes Gefühl von Leben – eines, das nicht laut ruft, sondern ruhig da ist und trägt. So wie ein Jahreswechsel keinen grossen Lärm braucht, um ein neuer Anfang zu sein, sondern oft still seine Wirkung entfaltet.

 

Wenn du magst, lade ich dich ein, dir in diesen Tagen ein paar Fragen zu stellen:

  • Welche Bilder von Alter und Vergänglichkeit trägst du in dir – und dienen sie dir noch?

  • Wo sagst du in deinem Leben «anti», obwohl vielleicht ein «ja, anders» stimmiger wäre?

  • Wie alt fühlst du dich jenseits von Zahlen, Erwartungen und Vergleichen?

  • Welche Qualität von Älterwerden möchtest du bewusst kultivieren?

Jahresende und Jahresanfang, Abschied und Neubeginn – sie erinnern mich immer wieder daran, dass Entwicklung kein Ziel ist, sondern ein lebendiger Weg. Und vielleicht spürst du es auch: In jedem Ende liegt ein zarter Anfang, der nicht drängt, sondern einlädt. Vielleicht ist genau jetzt der Moment, ihn willkommen zu heissen – mit Offenheit, mit Vertrauen und mit dem leisen Wissen, dass Wachstum nicht nur hinter, sondern auch vor dir liegt.

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